Wie soll die Schule der Zukunft aussehen?

Presse


Landtagsabgeordnete Pfaffmann, Perlak und Roos auf Bayern-Tour im Landkreis Rottal-Inn

Hoher Besuch aus dem Landtag im Schulamt Rottal-Inn: Schulrätin Ingrid Behnken durfte in Eggenfelden gleich drei MdLs empfangen – Bernhard Roos, Reinhold Perlak, Hans-Ulrich Pfaffmann. Letzterer ist Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag. Die Abgeordneten wollten sich gezielt vor Ort informieren, um ein Gesamtbild der bayerischen Schullandschaft zu gewinnen. So wurde denn vor allem die spezifische Schulsituation im Landkreis Rottal-Inn erörtert.

Zur Sprache kam zunächst die im Rottaler Raum vermeintlich niedrige Übertrittsquote an weiterführende Schulen. Schulrätin Behnken argumentierte, dass die Übertrittszahlen differenziert gesehen werden müßten und konnte zudem auf leicht ansteigende Zahlen verweisen: Im Jahr 2009 habe die Übertrittsquote an weiterführende Schulen bei 53% gelegen, 2010 sei sie auf 62% gestiegen. Davon gingen ca. 27% der Schüler ans Gymnasium, der Rest an die Realschule.
Ebenfalls beim Gespräch anwesend war der Rektor der Hauptschule Eggenfelden, Helmut Holler, welcher den Politikern „seine“ Schule vorstellte. Die Hauptschule Eggenfelden ist mit derzeit 515 Schülern eine der größten Hauptschulen und auch die einzige Wirtschaftshauptschule in Bayern. Wie Holler unterstrich, sei es in Zeiten schwindender Akzeptanz des Hauptschulabschlusses von immenser Bedeutung als Hauptschule ein geschärftes Profil zu entwickeln, um Attraktivität aufrechtzuerhalten. An seiner Schule biete man deshalb die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft, Soziales an. Nächstes Jahr werde die Hauptschule in einen Schulverbund zwischen Eggenfelden, Falkenberg, und Hebertsfelden eingebunden. Auf Nachfrage von MdL Perlak, wie denn nach der von der Bayerischen Staatsregierung durchgeführten Schulreform die Chancen der Hauptschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt seien, antwortete der Rektor, dass die Schüler der Region Eggenfelden gut vermittelbar seien.
Bildungsexperte Pfaffmann warnte gleichfalls vor einer Abwertung der Hauptschule. Auch wenn sich die Tendenz abzeichne, den Realschul-Abschluss zum Standard-Abschluss in Europa werden zu lassen, dürfe man dennoch die Hauptschulen nicht sterben lassen. Ihm schwebe eine „Volksschule der Zukunft“ vor, welche u.a. Grundschulintegration, differenzierten Unterricht, spätere Leistungsdifferenzierung ebenso beinhalte wie Klassenstärkenbegrenzung, Elternberatung, und Schulpsychologen. Entscheidend sei, so der SPD-Mann, wie man das Potential der Kinder am besten zur Entfaltung bringe. Um diesen Kernpunkt zentriere sich das Bildungskonzept seiner Partei. MdL Roos betonte, man brauche „mehr Planungssicherheit in der Schullandschaft“. Deswegen hätten die Sozialdemokraten im bayerischen Landtag „ein Moratorium der Schulreformen“ beantragt. Pfaffmann zählte eine ganze Reihe schulpolitischer Anträge auf, die die Sozialdemokraten im Bayerischen Landtag eingebracht haben. So habe es einen Antrag zu mehr Anrechnungszeiten für Schulleiter gegeben, einen Antrag, die Selbstständigkeit für Schulen zu erweitern, einen Antrag, die dogmatisch festgelegten Klassenstärken aufzulösen, einen Antrag, die Klassenbildung bei Hauptschulen zu flexibilisieren, einen Antrag, die Schulstunden an den Schülerzahlen zu orientieren. All diese sozialdemokratischen Vorhaben seien bislang jedoch von der schwarz-gelben Landtagsmehrheit zurückgewiesen worden. Für die SPD-MdLs ist deshalb die Zeit reif für eine andere, sozialdemokratische Bildungspolitk in Bayern – und nicht nur Bildungspolitik.

 
 

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