
Die Entdeckung des Kindes
Die kindliche Entwicklung als Entfaltung der Kräfte nach einem festen inneren Bauplan: diese Pädagogik wird an der Eggenfeldener Montessori-Schule umgesetzt, die die Landtagsabgeordneten Perlak, Pfaffmann und Roos besuchten. Mit dabei waren die SPD-Kreisvorsitzende Rottal-Inn, Renate Hebertinger, sowie Marion Winter, Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung. Wie der Passauer MdL Bernhard Roos Schulleiter Winfried Hoppe erläuterte, besitzt die SPD eine „hohe Affinität zu Bildungsfragen“.
Vom MdL nach Abschlussquoten und Vermittelbarkeit von Montessori-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt befragt, konnte der Schulleiter nur Positives berichten: An seiner Schule wisse man um jeden einzelnen Schüler. Es gebe weder „Frontal-Tafel-Unterricht“ noch Noten, stattdessen aber sogenannte Dokumentationen. Vermeintlichen Schülerdefiziten werde durch „permanente Kommunikation“ vorgebeugt; der Lehrer wirke oft als „graue Eminenz“ im Hintergrund; zudem erstelle man Wochenpläne. Deshalb schafften die Schüler der privat-geführten Montessori-Schule ihre Abschlüsse genauso wie an staatlichen Regelschulen. Hoppe hob das sehr hohe Leistungsniveau seiner Schule im Fach Englisch hervor. An der Montessori-Schule kann man auch die mittlere Reife ablegen, 15 Jugendliche machen in diesem Jahr davon Gebrauch; der Rektor geht dabei von einer 95% Bestehensquote aus. Nach dem Schulabschluss seien die Jugendlichen „zu 100% versorgt“, was vor allem dem persönlichen Engagement des Lehrkörpers zu verdanken sei sowie den in der Montessori-Schule ab der 6. Klasse intensiven durchgeführten Praktika; denn „praxisbezogenes Lernen“ ist ein zentraler Punkt der Montessori-Pädagogik. So gelangten die Jugendlichen in gute Ausbildungsberufe, wobei es eine vorrangige Tendenz zum sozialen Bereich gebe.
Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Hans-Ulrich Pfaffmann, lobte die Montessori-Schulen als „wichtige Ergänzung“ zum Regelschulsystem und „Schrittmacher für staatliche Schulen“. Er kritisierte die von der bayerischen Landesregierung vorgenommene Änderung des Erziehungs-und Unterrichtsgesetzes als einen „Anschlag auf die Montessori-Pädagogik“. Sein MdL-Kollege Roos bemängelte die „situative, unverläßliche Bildungspolitik der Bayerischen Staatsregierung“ sowie den „Zentralismus in Bayern“. „Die Staatsbürokratie setzt das Würgeband an!“, ärgerte sich Roos, und forderte ebenso wie sein Kollege Perlak „mehr Planungssicherheit für Schulen“.
SPD-Bildungsexperte Pfaffmann versäumte es nicht, Schulleiter Hoppe das neue schulpolitische Konzept seiner Partei vorzustellen, in dem unter dem Stichwort „Gemeinschaftsschule“ u.a. eine Jahrgangs- bzw. Klassenzimmerauflösung gefordert wird, um so eine gezielte individuellere Förderung des Kindes möglich zu machen. Es müsse endlich Schluß sein mit der „Mär des alles überragenden bayerischen Schulsystems“, da dieses neuen Herausforderungen, etwa der Integration von Migrantenkindern oder der Förderung von Jugendlichen aus sozial schwachen Familien, immer noch mit „unterlassener Hilfeleistung“ begegnen.