Als Grenzgänger in Bayerisch Eisenstein

Veröffentlicht am 15.04.2018 in Presse

MdL Roos mit Landtagskandidaten zu Besuch im Rathaus

Mit der Waldbahn zwischen Bergen und Bächen angereist, fühlt sich der naturverbundene SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard Roos sichtlich wohl in der 1000-Seelengemeinde Bayerisch Eisenstein direkt an der Grenze zur Tschechischen Republik. Gemeinsam mit den LandtagskandidatInnen Bettina Blöhm und Hans Hutter und dem Vorsitzenden des Vereins Gemeinsam Leben und Lernen in Europa e.V. Toni Fischer stattete MdL Roos Bürgermeister Georg „Charly“ Bauer einen Besuch im Rathaus ab.

Als Teil der EUREGIO-Region im Grenzgebiet zu Tschechien und Österreich macht dem Gemeindeoberhaupt vor allem der EU-Haushalt ab 2020 Sorgen. Schließlich müsse man durch den Brexit mit Kürzungen rechnen. Davon sei auch die Aktionsgruppe LEADER Arberland betroffen, die Schülerreisen unterstützt. Das Arberland ist erst Ende letzten Jahres vom Deutschen Fachverband für Jugendreisen „Reisenetz e.V.“ als „Erste zertifizierte Jugendreise-Destination“ ausgezeichnet worden. Toni Fischer von Gemeinsam Leben und Lernen in Europa freut sich über diese Entwicklung: „Junge Menschen bauen bei Jugendreisen eine intensive Verbindung zur jeweiligen Region auf. Einen Großteil wird es später hoffentlich wieder als Touristen hierher verschlagen.“ Roos ergänzt: „Die Tourist Info in Bayerisch Eisenstein leistet großartige Arbeit, um den Gästen zahlreiche Ausflugstipps und dadurch einen erlebnisreichen Aufenthalt zu bieten; beispielsweise im Eisenbahn-Museum, dem Nationalpark oder in Ausstellungen der Kuns(t)räume grenzenlos, die mit der aktuellen Ausstellung Joan Miro Weltkunst nach Eisenstein bringen.“

Um den europäischen Zusammenhalt gerade an einem Dreiländereck zu stärken, befürwortet Fischer grenzüberschreitende Projekte wie die Sprachpaten. Dazu sei es wichtig, die Sprache des Nachbarlandes zu erlernen, wie es beispielsweise an der Mittelschule und dem Gymnasium Zwiesel gang und gäbe ist.

Gerade in Sachen Bildung sieht Bürgermeister Georg Bauer Nachholbedarf. Denn für Familien hat die Attraktivität des Ortes seit der Schließung der Grundschule deutlich abgenommen. „Die Lösung wäre eine grenzüberschreitende Grundschule in Zusammenarbeit mit unserem Nachbarort Železná Ruda.“, meint Bauer. Gescheitert sei das Projekt an Kultusminister Spaenle, der sich gegen das Vorhaben stellte. Einen grenzüberschreitenden Kindergarten gibt es dagegen in Eisenstein schon. Stolz berichtet Bauer von der gestiegenen Einwohnerzahl von 967 auf 1080, da viele junge tschechische Familien nach Bayerisch Eisenstein ziehen. „Wir müssen um jeden Einwohner kämpfen.“, weiß auch Landtagskandidat und Bürgermeister von Drachselsried Hans Hutter, „Das fängt bei Unternehmensansiedlung an und geht über Bildungsangeboten bis hin zu Freizeitangeboten für die ganze Familie.“

Dazu zählt auch der Bau des Radweg-Lückenschlusses entlang der B11 zwischen Ludwigsthal und Bayerisch Eisenstein hinüber nach Tschechien in Richtung Klattau, für den sich Roos als verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion besonders einsetzt. „Der Weg ist schon längst überfällig und wäre ein Zugewinn für Tourismus, Verkehr und Natur.“, so der Abgeordnete, der in der Ernennung von Ilse Aigner als neuer Bayerischer Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr neue Chancen für das Projekt sieht. Um den Öffentlichen Nahverkehr gerade für Pendler zu verbessern, fordert Georg Bauer die Ausweitung der Betriebszeiten der Waldbahn. Diese sollte sowohl morgens eine Stunde früher abfahren (6:44 Uhr statt 7:44 Uhr) als auch abends eine Stunde später ankommen (22:17 Uhr statt 21:17). Roos und seine Begleiter unterstützen diesen Vorstoß.

Bürgermeister Georg Bauer berichtete außerdem von der Mutter-Kind-Klinik, die seit 4 Jahren leer steht und mit Eigner-Familie Müller Chancen auf Neueröffnung hat. Für die Wasserversorgung in der Gemeinde sei eine Tiefenbohrung erforderlich.

Landtagskandidatin und Kreisvorsitzender der SPD Landkreis Freyung-Grafenau Bettina Blöhm erkundigte sich schließlich über den Breitbandausbau in Bayerisch Eisenstein. Bauer kündigte an, dass bis Ende 2019 alle Häuser mit Glasfaser erreicht werden. „Die Gemeinde ist hier ein Vorbild für den gesamten Bayerischen Wald. In vielen Orten reicht die Internetverbindung kaum für den privaten Gebrauch. Unternehmen haben so keinen Anreiz, sich in unserer Region anzusiedeln.“, bestätigt Blöhm.

Das Gespräch endete beschwingt durch die Europa-Offenheit der Gemeinde, die alle Beteiligten begeisterte. Sie waren sich einig, dass die europäischen Nachbarn nicht ausgeschlossen, sondern mit ihren Stärken eingebunden werden sollten. So können die Länder von gegenseitigen Synergien profitieren. Bayerisch Eisenstein sei hierfür ein hervorragendes Beispiel, das auch zukünftig Unterstützung bedarf.

MdL Bernhard Roos und Landtagskandidatin Bettina Blöhm genossen anschließend gemeinsam mit der Belegschaft des Abgeordneten Einblicke in die Weltkunst des Joan Miro in den Kuns(t)räumen grenzenlos. „Bunt wie das Leben!“, resümiert Roos sowohl die Kunst des Joan Miro als auch den gelungenen Besuchstag in Bayerisch Eisenstein. Besonders erfreut waren der Abgeordnete und seine Mitarbeiter, dass auch zwei ehemalige tschechische Praktikantinnen im Bürgerbüro dem Ausflug beiwohnten. Sie hatten am deutsch-tschechischen Austauschprojekt in Kooperation mit Gemeinsam Leben und Lernen in Europa e.V. teilgenommen.